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VON DER SUCHE NACH SCHÖNHEIT

Nach längerer Zeit zierte wiedermal ein Blumenstrauss mein Daheim. Und er hat so viel ausgelöst: Seine Farben, Formen, seine Düfte und Strukturen. Ich liebe seine Schönheit. Aber warum löst Schönheit so viel in mir aus? Und warum sehne ich mich danach? Ein bescheidener Erklärungsversuch:





Vor Jahren besuchte ich in Wien das Schloss Schönbrunn. Ich trat in einen Raum, den ich nie vergessen werde. Die handbemalten Wände verschlugen mir den Atem, ich konnte mich nicht mehr bewegen, ich tauchte kurz in eine innere Welt, wo mich die Schönheit mitten in die Seele stach, bis mir eine Träne aus den Augen quoll. Die Schönheit dieser Wände, die Stunden der Arbeit, die unzähligen Pinselstriche und wachen Augen, die diese forderten, berührten mich.


Schönheit hat die Kraft, mich aus jedem Alltags-Trott herauszureissen, mich tief atmen zu lassen und mitten in meine Seele zu treffen. Aber was trifft die Schönheit dort so genau?




Ich frage mich das, weil ich spüre, wie sich beim Betrachten von Schönheit ein Raum in mir öffnet, weil da etwas in mir erwacht, weil ich eine leise Erinnerung spüre.






Die Erinnerung an eine Heimat, und an Fragen, die mich dorthin führen. Schönheit öffnet mich, die lädt mich in eine Beziehung ein. In die Beziehung zum Grundstein aller Schönheit, zur Quelle der Herrlichkeit. Wahrscheinlich auch, weil ich selbst ein Ausdruck von Schönheit BIN, ein Ausfluss dieser Quelle. Dorthin zieht es mich zurück. Dort möchte ich wohnen. Dort ist mein Daheim.


Jeder Blick auf meinen Blumenstrauss entdeckt noch mehr Schönheit, so unglaublich viel Schönheit. Tausend Blicke reichen nicht aus, um sie zu erfassen. Jeder Blick - wenn ich ihm den Raum gewähre und ihn tiefer an diesen Ort der Sehnsucht tauchen lasse - lässt mich kurz nach Hause kommen. Und regt mich gleichzeitig an, weiter zu suchen. Noch mehr zu erfahren, zu erfassen, zu erhaschen.




Kann das Betrachten von Schönheit schon Gebet sein?






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