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KURZE NÄCHTE. LANGE TAGE.

Gerade habe ich einen Text gefunden, den ich vor Jahren geschrieben habe und genau heute brauche. Mein Baby schläft gerade schlecht und will nachts ständig an die Brust. Ich bin müde und überlege, wie das weitergehen soll. Diese alten Zeilen erinnern mich daran, dass ich mir selbst vertrauen darf. Dass ich selbst am besten weiss, was mir wichtig ist und dass ich gute Entscheidungen treffen kann.





Es gibt so viele Methoden, die uns helfen sollen. Manchmal sind sie erfolgreich, und manchmal nicht. Wie bringe ich mein Kind zum Schlafen? Wie gehe ich mit der Trotzphase um? Wie ernähre ich mein Kind? Wie setze ich gute Grenzen? Manchmal beginne ich, Antworten auf solche Fragen irgendwo da draussen zu suchen. Besonders verlockend blinkt die Eingabe im Google-Suchfeld, immer verfügbar, nur ein kleiner Fingerwisch entfernt. Ich tippe dort oft meine Fragen rein, wenn ich das Gefühl habe, mit meinem eigenen Latein am Ende zu sein. Falsche Entscheidungen getroffen zu haben. Nicht mehr zu wissen, was gut und richtig ist. Gerade dann sehne ich mich nach klaren Regeln, klaren Anleitungen, nach Schwarz-Weiss Rezepten, die mir sagen, was das Beste ist.

Schwarz-Weiss-Denken funktioniert dort, wo Menschen verunsichert oder müde sind.

Das ist nicht nur in der Erziehung so, sondern auch in der Politik, in Religionen, und allen anderen Themen des Lebens.


Ich bin nicht gegen Methoden, solange sie mehr Sicherheit und Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten und Kompetenzen schaffen. Das Problem ist nur: Oft erzeugen sie genau das Gegenteil. Sie trennen uns von unserem eigenen Gespür, von unserer Intuition, vom natürlichen Instinkt, der uns geschenkt ist. Methoden trennen uns oft vom Vertrauen in unser Kind und in uns selbst. Sie sind starr und kopflastig, sie verlagern die Lösung des Problems vom Herz in unseren Verstand. So sind wir geschult: Was wir beweisen, überprüfen und nachvollziehen können, gilt als vertrauenswürdig und wahr.

Die innere Stimme dagegen ist nicht messbar, nicht überprüfbar, nicht erklärbar.

Es gibt keine Kombination wie unsere Familienkonstellation: Es gibt keine Mama wie ich mit einem Papa wie er und Kindern wie sie. Und es gibt keine Methode, die genau auf uns abgestimmt ist. Es geht also darum, dass wir herausfinden, was für uns wie und wann stimmt. Was passt zu mir, zu meinem Partner, und zu meinen Kindern? Welche Kultur entspricht uns und möchten und können wir schaffen in unserem Daheim? Was sagt mein Herz? Was sagt diese innere Stimme, die sich befreit hat von Erwartungen und Ratschlägen, von Ängsten und egoistischen Wünschen, von eigenen Prägungen und von Perfektionismus? Ich glaube, diese innere Stimme leitet uns feiner und genauer als jede Methode, die wir uns überstülpen.


Also vertraue ich mir. Und ich vertraue meinem Baby! Ich vertraue darauf, dass wir geeint werden von dieser inneren Stimme, die uns leitet und führt. Ich vertraue darauf, dass ich jeden Tag genau so viel habe, wie ich für heute brauche. Dass ich die Lösungen nicht da draussen suchen muss, sondern dass sie schon in mir steckt. Die Nächte und Tage nehme ich so, wie sie gerade sind. Meinem Baby gebe ich die Nähe und Geborgenheit, die es gerade sucht. Und ich erlaube mir selbst, es zu geniessen, statt zu hinterfragen.

Ich erlaube mir, dankbar zu sein.

Für dieses wunderbare Baby, das mich nachts wecken kann. Fürs Stillen, das mir erlaubt, einfach liegen zu bleiben, um mein Baby zu beruhigen. Für die vielen Menschen um mich, die mir nach diesen Nächten den Tag erleichtern. Und dann gestalte ich jeden Tag so, dass ich ihn gut leben kann. Mit Kaffee, einfachem Essen, dreckigen Böden, gekürzten To-Do-Listen und kleinen statt grossen Unternehmungen.


Alles hat seine Zeit!

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